Gedanken zum Film

Bei allen vier Prot­ago­ni­sten im letz­ten Doku­men­tar­film BEING THERE – DA SEIN (Website), die sich um ster­bende Menschen kümmern, stand zu Beginn ihres Enga­ge­ments für andere ein tief­grei­fen­des exter­nes oder inter­nes Ereig­nis, das sie zum Handeln anspornte. Dieser Impuls kann als «Ruf» bezeich­net werden, der sie dazu befä­higte, «sich über die örtlich-histo­ri­schen Gren­zen hinaus zu wagen, hin zu den allge­mein gülti­gen mensch­li­chen Formen»,  wie der bekannte Mythen­for­scher Joseph Camp­bell es formu­lierte.

In seinem epocha­len Werk «Der Heros in tausend Gestal­ten» beschreibt Joseph Camp­bell, dass indi­vi­du­elle «Helden­rei­sen» seit Menschen­ge­den­ken immer wieder dazu beitra­gen, Inspi­ra­tio­nen für ein besse­res Mitein­an­der neu zu entwickeln und zu gestal­ten.

«Der Held ist ... der Mensch – ob Mann oder Frau –, der fähig ist, sich über die örtlich-histo­ri­schen Gren­zen hinaus zu wagen, hin zu den allge­mein gülti­gen mensch­li­chen Formen. Seine Visio­nen, Ideen und Einge­bun­gen kommen unver­dor­ben von der Urquelle mensch­li­chen Lebens und Denkens.»

Joseph Camp­bell, «Der Heros in tausend Gestal­ten»

Ich fragte mich im Anschluss an die Beob­ach­tung aus dem Film BEING THERE – DA SEIN, ob wir erst Krisen brau­chen, um neue Wege einzu­schla­gen und neue Sicht­wei­sen zu entdecken, die zur eige­nen und der Entwick­lung der Gesell­schaft wich­tig sind.

Welche Fähig­kei­ten können Menschen entwickeln, wenn sie – ihrem Ruf folgend – das Bekannte verlas­sen und ihre Reise ins Unbe­kannte antre­ten? Gelingt es ihnen dadurch, sich von stres­s­erzeu­gen­den Situa­tio­nen, Denk- und Hand­lungs­mu­stern zu befreien und sich in einer zuneh­mend komple­xer werden­den Welt selbst zu finden? Können indi­vi­du­elle Trans­for­ma­ti­ons­pro­zesse auch gesell­schaft­li­che Wirkun­gen entfal­ten und Antwor­ten für die Heraus­for­de­run­gen gros­ser Verän­de­run­gen und Lebens­über­gänge geben?

Diese Fragen stehen im Film PATHS OF LIFE im Zentrum. Auf der Suche nach Antwor­ten habe ich vier Menschen beglei­tet. Dabei habe ich sie nach ihren Erfah­run­gen im Umgang mit schmerz­haf­ten Erleb­nis­sen und den damit verbun­de­nen Trans­for­ma­ti­ons­pro­zes­sen befragt. Die Geschich­ten, dies sie erzäh­len, können als alltäg­li­che bezeich­net werden. Joseph Camp­bell benützt zwar den Begriff des «Helden». Mit Held ist aber nicht der- oder dieje­nige gemeint, der/die eine heroi­sche «Helden­tat» leistet. Viel­mehr meint Camp­bell den Menschen, der bereit ist, seinen Ruf zu hören und ihm Folge zu leisten. Die vier Prot­ago­ni­sten könn­ten demzu­folge wir alle sein.

Weitere Gedan­ken zum Film finden Sie in der Pres­se­mappe unter Kinos und Presse.